Es brachen finstere Zeiten an auf Parchem, als vor einem Jahr der Befehl des Göttlichen erging, alles und jeden auszumerzen, der nicht normal sei. Es waren Tür und Tor geöffnet für allerhand Wahnsinn, welcher auch in Walkyrheim um sich schlug. Für unsere Freunde begann ihr bisher größtes Abenteuer mit einem Tag zum Feiern. Endlich hatten die Katakomben wieder ein wenig Gold preisgegeben und gemeinsam waren alle auf einem der Märkte unterwegs, um es gegen Essen und einige neue Kleider zu tauschen. Der Duft von Essen und die hundert mal hundert Stimmen der Menschen klangen ihnen vom Marktplatz entgegen. Doch die Geräusche kündeten nicht von geschäftigem Treiben, oder Jubel für das Spiel der Gaukler. Große Aufregung war zu vernehmen und alles strömte zum großen Platz vor der Kirche der tausend Wunder. Ein Pfahl war aufgestellt und ein Scheiterhaufen errichtet. Ein Fleischberg von einem Mann zerrte ein rothaariges Mädchen hinter sich her. Ihre schmuddelige dünne Gestalt zeugte von einem Leben auf der Straße und die unflätigen Flüche, die sie ihrem Peiniger unablässig entgegen schleuderte, bestätigten diese Vermutung.
Als der Scheiterhaufen erreicht war, brachte man das Mädchen zum Schweigen. Ein älterer Herr der in Seide und Brokat gekleidet war, erhob seine Stimme um Sie zur Hexe zu erklären. Das Dekret des Gottkaisers ermächtige ihn, diese Frau dem Feuer zu überantworten. Der blutlüsterne Mob war daraufhin schnell versammelt, aber ebensoviele Menschen wendeten sich ab und verzogen ihre Miene in Abscheu.
Jack, Reef, Finn und Tungdil brauchten nicht mehr als einen kurzen Blick um sich einig zu sein: Sie musste die junge Frau vor ihrem schrecklichen Tod bewahren. Ein paar kurze interessierte Fragen in die Menge und der Alte war identifiziert. Es war Jonas der Wagner von Walkyrheim und sein dümmlicher, aber starker Lehrling. Die Freunde steckten kurz die Köpfe zusammen und ein Plan war schnell geschmiedet. Finn und Reef würden die Menge ablenken, Tungdil dem Dicken die Frau entreißen und Jack wusste einen guten Fluchtweg. All die Zeit die er in den Katakomben verbrachte hat in ihm einen geistigen Plan entstehen lassen und es gab ein Lagerhaus direkt am Marktplatz dessen Keller eine Verbindung zu den Tunneln hatte.
Reefs schmale Gestalt ließ ihn unscheinbar wirken, aber seine kraftvolle Stimme erschallte über die Menschenmenge. In einer mitreissenden Rede nutzte er die Wut der Leute und lenkte sie in neue Bahnen. Er schürte den Hass auf die Obrigkeit, welche seit dem Dekret überall schwelte. Ein Teil des wütendens Mobs begab sich prompt zum Viertel der Adeligen um dort ihren Dampf abzulassen.
In der Zwischenzeit hatte Tungdil sich bereits auf direktem Weg zum Scheiterhaufen begeben. Den riesigen, fetten Lehrling im Blick, wanderte seine Hand wie von selbst zu seiner Axt. Die vielen Rufe der Menschen um ihn herum brachten Erinnerungen an den Krieg. Er musste sich konzentrieren, denn verlöre er hier die Beherrschung, es würde ein Blutbad wie es hier noch Keiner erlebt hatte. Er zwang seine Hand zu der Flasche in seinem Mantel und nach einem tiefen Schluck konnte er die Hunde des Krieges erneut im Zaum halten. Es waren allerdings noch zu viele Verbündete um den Lehrling und seinen Meister herum, als das er einfach hätte zugreifen können. Just in diesem Moment schlug Finn ein Rad auf das Schafott und begann Jonas den Wagner aufs übelste zu beleidigen. Zu guter Letzt zeigte er seinen Hintern und ein weiteres Dutzend Leute waren auf der Jagd durch die Strassen hinter Finn her. Tungdil schnappte sich die Kleine und wollte wie ein Fuhrwerk in Richtung des Lagers davonpreschen, doch er rechnete nicht mit der schieren Kraft des Lehrlings, der sie in seinem eisernen Griff hielt. Wütend verpasste Tungdil ihm einen Tritt vor die Brust und hielt das Mädchen an ihren Fesseln fest. Er flog von der Bühne in hohem Bogen und schlug mit dem Kopf auf einen Randstein. Blut spritzte und für einen Augenblick gab es Stille. Nur Sekunden später schallten die ersten Rufe von den neugierigen Bürgern herüber: "Mörder! Er hat Jonas´ Lehrling getötet! Schnappt ihn!"
Wie eine Lore, die den Stollen herunter rast preschte Tungdil durch die Meute in Richtung Lagerhaus. Jack, der sich dem Haus durch die Schatten genähert hatte, wollte ihm die Tür öffnen als er ihn losrasen sah, musste aber feststellen das sie fest verschlossen war! In Windeseile bemühte er seine Dietriche und das kleine Schloss war kein Gegner für sein Geschick. Doch kaum waren die Türen geöffnet sprangen ihm auch schon zwei riesige Wachhunde geifernd entgegen. Mit einem schnellen Schritt hinter die geöffnete Tür sauste er aus ihrem Blickfeld und die Tiere stürzten nach draußen zwischen die schreiende Menge. Am Rande des Platzes schimmerten bereits die goldenen Rüstungen der kaiserlichen Garde, die verzweifelt versuchte Ordnung in das Chaos zu bringen.
Tungdil drückte sich an allen vorbei, bis er und Jack endlich in dem Lagerhaus verschwinden konnten. Die vollen Weinfässer vor der Kellertür wären für Jack ein unüberwindliches Hindernis gewesen, stellten jedoch für Tungdil nur eine Fingerübung dar. Er schaffte sie beiseite und verschwand in die Dunkelheit. Jack stahl sich eine Öllampe aus dem Lager, zündete sie an und lief ihnen nach.
In der Ruine trafen sie sich alle wieder. Ein jeder war auf seine Weise den Häschern entkommen und man hatte die Kleine von Fesseln und Knebeln befreit. Sie stellte sich Ihnen als Anabell vor und war nur zu gern bereit die Fragen der Gruppe zu beantworten, die sie so heroisch befreien konnten. Sie gestand Ihnen ein, auch ein wenig selbst Schuld an der Misere gewesen zu sein. Sie hatte sich an Jonas dümmlichen Lehrling rangemacht um ihm etwas wertvolles entwenden zu können: Einen goldenen Schlüssel.
Dieser ist die einzige Möglichkeit in den Hof des Wagners zu gelangen und wie sie zu berichten wusste, war dort wohl immer einiges zu holen, aber es gab noch viel mehr zu erwarten. Die Base des Kaisers erlitt einige Tagesreisen von hier einen Achsbruch mit ihrer Kutsche. Jonas fühlte sich persönlich für diese Sache verantwortlich, da er ihre Kutsche persönlich angefertigt hatte. Er nahm nun alle Mühen auf sich den Schaden zu beheben und ließ sie sogar in seinen persönlichen Gemächern schlafen bis die Kutsche wieder gangbar wäre.
Als Anabell ihre Geschichte erzählt hatte, waren sich alle einig. Dies sollte ihre Gelegeheit sein der Armut zu entkommen, denn jemand aus der Familie des Kaiser war selten so erreichbar für das diebische Gesindel. Die junge Dame entpuppte sich als netter Zeitgenosse und so boten ihr die Freunde an zu bleiben. Sie sollte für etwas Ordnung in ihrer gemeinsamen Behausung sorgen und bekäme dafür Essen, sowie einen Platz zum schlafen.


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